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Firmengründung

Steuern und Dividenden: was von der tiefen Gewinnsteuer übrig bleibt

Luzern und Zug unter 12 Prozent Gewinnsteuer, dann 35 Prozent Verrechnungssteuer auf der Dividende: wie die Kette wirklich rechnet, wann die AHV Dividenden in Lohn umdeutet und wo die Pauschalbesteuerung endet.

Terrassierte Rebzeilen ziehen sich über einen Hang zu einem weiten stillen See, bedeckter Himmel, das andere Ufer verliert sich im Dunst
Inhalt
  1. Station 1: die Gewinnsteuer
  2. Station 2: die Verrechnungssteuer, das Missverständnis mit den 35 Prozent
  3. Station 3: die Einkommenssteuer, mit Rabatt
  4. Lohn oder Dividende: die Rechnung, die die AHV mitliest
  5. Mehrwertsteuer: die Schwelle und die Abkürzung
  6. Die Weiche, die alles andere schlägt: Pauschalbesteuerung

Die Schweizer Gewinnsteuer ist so tief, wie ihr Ruf verspricht. Was der Ruf verschweigt: zwischen dem Gewinn der GmbH und Deinem Privatkonto stehen noch zwei Stationen, die Verrechnungssteuer und die Einkommenssteuer auf der Dividende. Wer nur die erste Zahl anschaut, rechnet sich die Schweiz schöner, als sie ist. Wer alle drei kennt, stellt fest: sie bleibt gut, aber anders, als die Prospektzahl suggeriert.

Dazu im Video

Steuerfalle Firmengründung Schweiz: 35 % Dividenden-Quellensteuer (inkl. Holding)

Station 1: die Gewinnsteuer

Der Bund nimmt 8,5 Prozent auf den Gewinn nach Steuern; weil die Steuern selbst abziehbarer Aufwand sind, entspricht das knapp 7,8 Prozent auf den Gewinn davor. Dazu kommen Kanton und Gemeinde, und dort spielt die Musik. Die effektiven Gesamtsätze 2026, gemessen an den Kantonshauptorten: Luzern 11,66 Prozent, Zug 11,71, Zürich 19,47, Schweizer Mittel 14,43. Luzern hat Zug damit erstmals als günstigsten Kanton abgelöst; die Reihenfolge an der Spitze wechselt, das Niveau nicht.

Zum Vergleich, der die Zielgruppe dieser Site betrifft: eine deutsche GmbH liegt mit Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer typischerweise um 30 Prozent. Auf Ebene der Gesellschaft halbiert der Umzug die Steuer also ungefähr. Dazu kommt eine Kapitalsteuer auf dem Eigenkapital, die es in Deutschland nicht gibt; sie ist mit Promillesätzen klein und in mehreren Kantonen wird die Gewinnsteuer angerechnet, aber sie existiert und gehört in die Planung.

Station 2: die Verrechnungssteuer, das Missverständnis mit den 35 Prozent

Schüttet die Gesellschaft eine Dividende aus, behält sie 35 Prozent ein und liefert sie an die Steuerverwaltung ab. Das ist der Moment, in dem deutsche Gründer glauben, in eine Falle geraten zu sein: von 100 000 Franken Dividende kommen erst einmal nur 65 000 an.

Für Dich als Schweizer Ansässigen ist das keine endgültige Steuer, sondern ein Pfand. Du deklarierst die Dividende in der Steuererklärung, und der Kanton verrechnet die 35 Prozent mit Deiner Steuerschuld; was übrig bleibt, wird ausbezahlt. Der Mechanismus ist ein Ehrlichkeits-Pfand, und genau so funktioniert auch seine Schattenseite: Wer die Dividende nicht deklariert, verliert die Rückerstattung. Dann sind die 35 Prozent endgültig, zusätzlich zur regulären Einkommenssteuer, die auf die nachträglich entdeckte Dividende trotzdem anfällt. Vergessene Deklarationen lassen sich bei blosser Fahrlässigkeit im laufenden Verfahren heilen, aber der sichere Weg ist trivial: jede Ausschüttung sauber deklarieren, jedes Jahr.

Für Feinschmecker gibt es eine Ebene darüber: Wer der Gesellschaft später einmal Kapital zurückgibt, das er selbst eingelegt hat, kann das über das Kapitaleinlageprinzip verrechnungssteuerfrei tun, sofern die Einlagen von Anfang an auf einem gesonderten Konto ausgewiesen und der Steuerverwaltung gemeldet sind. Das entscheidet sich bei der Buchführung im ersten Jahr, nicht bei der Ausschüttung in zehn Jahren, und gehört deshalb ins Setup-Gespräch mit dem Treuhänder.

Station 3: die Einkommenssteuer, mit Rabatt

Die Dividende landet in Deiner privaten Steuererklärung, aber nicht voll. Wer mindestens 10 Prozent an der Gesellschaft hält, versteuert die Dividende nur teilweise: beim Bund zu 70 Prozent, in Zürich, Zug und Schwyz zu 50, in Luzern zu 60. Für den Gründer, dem die Firma ganz gehört, ist die Schwelle keine Hürde. Die Teilbesteuerung ist der Ausgleich dafür, dass der Gewinn schon in der Gesellschaft besteuert wurde, und sie macht die Dividende zum steuerlich interessanten Kanal.

Lohn oder Dividende: die Rechnung, die die AHV mitliest

Damit steht die Verlockung im Raum, die jeder Treuhänder kennt: Minilohn, Maxidividende. Auf Lohn zahlst Du AHV/IV/EO von 10,6 Prozent (je hälftig Du und Deine GmbH) plus 2,2 Prozent Arbeitslosenversicherung bis 148 200 Franken; auf die Dividende zahlst Du nichts von alledem. Wer den Lohn drückt und die Dividende aufbläht, spart also Sozialabgaben.

Die Ausgleichskassen kennen diese Rechnung und haben eine Antwort darauf. Wer sich für seine Arbeit keinen oder einen unangemessen tiefen Lohn zahlt und gleichzeitig eine offensichtlich überhöhte Dividende, dem wird die Dividende bis zur Höhe eines branchenüblichen Gehalts in beitragspflichtigen Lohn umgedeutet. Als Massstab für „branchenüblich" dient unter anderem der statistische Lohnrechner des Bundes, und als Daumenregel der Kassen gilt: eine Dividende von 10 Prozent oder mehr des Steuerwerts der Gesellschaft gilt vermutungsweise als überhöht. Die Kassen weichen von der steuerlich gewählten Aufteilung nur bei offensichtlichem Missverhältnis ab, aber der Ein-Personen-Fall mit 30 000 Lohn und 200 000 Dividende ist genau dieses Missverhältnis.

Die tragfähige Linie ist unspektakulär: ein Lohn, der dem entspricht, was ein Dritter für Deine Funktion bekäme, und Dividenden aus dem, was die Firma darüber hinaus verdient. Wie der Lohn nebenbei Deine Pensionskasse und die Säule 3a speist, gehört in dieselbe Rechnung: nur AHV-pflichtiger Lohn schafft Vorsorgeraum.

Und ein Nebensatz mit Sprengkraft für aktive Anleger: die Anteile an der eigenen GmbH sind Privatvermögen, ihre Wertsteigerung ist beim späteren Verkauf grundsätzlich steuerfrei. Unter welchen Bedingungen diese Steuerfreiheit kippt, steht unter Kapitalgewinne und Wertschriftenhandel.

Mehrwertsteuer: die Schwelle und die Abkürzung

Mehrwertsteuerpflichtig wird, wer mehr als 100 000 Franken Jahresumsatz aus nicht ausgenommenen Leistungen erzielt, und zwar gerechnet auf den Weltumsatz, nicht nur den schweizerischen. Die Sätze: 8,1 Prozent normal, 2,6 reduziert, 3,8 für Beherbergung. Kleine Dienstleister können mit Saldosteuersätzen abrechnen, einer Pauschalmethode, die den Vorsteuerabzug durch einen Branchensatz ersetzt und die Abrechnung auf zwei pro Jahr reduziert; zulässig bis gut 5 Millionen Umsatz. Für die meisten Gründungen ist das die richtige erste Wahl, und der Wechsel zur effektiven Methode bleibt möglich.

Die Weiche, die alles andere schlägt: Pauschalbesteuerung

Zum Schluss der Punkt, der auf dieser Site vor der Klammer steht. Die Aufwandbesteuerung verlangt, dass Du in der Schweiz keiner Erwerbstätigkeit nachgehst, und die Steuerverwaltung zählt dazu ausdrücklich Verwaltungsräte, die hier persönlich zu Erwerbszwecken tätig sind. Die Geschäftsführung der eigenen Schweizer GmbH ist damit unvereinbar mit der Pauschale; nimmt Dein Ehegatte eine Erwerbstätigkeit auf, verliert ihr den Status beide, rückwirkend auf die ganze Steuerperiode.

Wer pauschalbesteuert ist und trotzdem unternehmerisch denken will, hat drei saubere Wege: Vermögensverwaltung im Privatvermögen (die ist keine Erwerbstätigkeit, solange sie den Rahmen nicht sprengt), Mandate und Tätigkeiten ausserhalb der Schweiz, oder der Verzicht auf die Pauschale zugunsten der ordentlichen Besteuerung in einem günstigen Kanton, was bei tiefen Gewinnsteuersätzen und Teilbesteuerung keine Strafe ist. Die Rechnung dazu steht unter Pauschalbesteuerung und unter Lohnt sich die Schweiz steuerlich?.

Die verwandte Struktur-Falle für Zuzüger mit deutscher Beteiligungs-KG steht unter GmbH & Co. KG und die AHV, und was mit einer bestehenden deutschen GmbH beim Umzug passiert, unter Die deutsche GmbH beim Zuzug.

Diese Seite ist allgemeine Information. Sätze und Praxis ändern sich; Steuerplanung zwischen Lohn, Dividende und Pauschale muss für den konkreten Fall gerechnet werden.

Mehr dazu im Video

Auswandern Schweiz: Wie GmbH-Gesellschafter Tausende bei Dividenden sparen

Inhalt

Dein Fall ist nicht der Normalfall.

Was in Deiner Situation zuerst passieren muss, klären wir im Gespräch. Auf Deutsch, mit Menschen, die den Weg selbst gegangen sind.