Mit dem Handelsregistereintrag ist die Gesellschaft handlungsfähig, aber noch nicht zahlungsfähig: sie braucht ein Konto, und das Konto braucht ein Onboarding. Für eine frisch gegründete GmbH mit Schweizer Gesellschafter ist das Routine. Für dieselbe GmbH mit deutschem Alleingesellschafter ist es eine Compliance-Prüfung, und die dauert.

Was die Bank prüft und warum es dauert

Die Bank identifiziert bei der Kontoeröffnung die Gesellschaft, ihre Zeichnungsberechtigten und die wirtschaftlich berechtigten Personen dahinter, und sie will die Herkunft der Mittel verstehen, die über das Konto laufen werden. Verlangt werden üblicherweise: Handelsregisterauszug, Statuten, echtheitsbestätigte Ausweiskopien aller Gesellschafter und Geschäftsführer, Nachweis der Geschäftsadresse und eine plausible Beschreibung des Geschäftsmodells samt erwarteter Zahlungsströme.

Dienstleister, die täglich Gründungen begleiten, berichten übereinstimmend: mit rein schweizerischer Struktur dauert das Onboarding Tage, mit ausländischem Eigentümer Tage bis Wochen, und bei komplexen internationalen Strukturen sechs bis acht Wochen. Das ist kein Misstrauen gegen Deutsche im Besonderen, sondern Risikoklassen-Logik: ausländischer wirtschaftlich Berechtigter heisst höhere Prüfstufe, mehr Vier-Augen-Schritte, mehr Rückfragen.

Drei Dinge verkürzen die Prüfung messbar:

  • Beim Sperrkonto-Institut bleiben. Die Bank kennt die Gründung schon; das Kapitaleinzahlungskonto war die halbe Identifikation.
  • Mittelherkunft von sich aus belegen, statt auf die Rückfrage zu warten: Verkaufsvertrag, Depotauszug, Erbschein, was immer die Vermögensquelle zeigt.
  • Ein konkretes Geschäftsmodell beschreiben. „Beteiligungen halten" und „Beratung international" sind die Formulierungen, die Prüfschleifen auslösen. Wer schreibt, wer an wen was fakturiert, verkürzt sie.

Ein eigenes Kapitel ist der Schweizer Wohnsitz des Eigentümers: mit ihm ist die Prüfung eine andere als ohne ihn. Wer als Zuzüger erst anmeldet und dann gründet, wird als Inländer geprüft. Wer aus Deutschland heraus eine Schweizer GmbH bankfähig machen will, sollte Geduld und Alternativen mitbringen.

Welche Bank: was das Feld sagt

Empfehlen lässt sich keine Bank, dafür sind die Fälle zu verschieden. Aber die Erfahrungsberichte der letzten zwei Jahre zeichnen ein konsistentes Bild der Kategorien:

  • Kantonalbanken und Raiffeisen werden von kleinen Gesellschaften am durchgängigsten gelobt: erreichbarer Kundendienst, ordentliche Gebühren, Buchhaltungsanbindung. Einzelne Kantonalbanken führen das Geschäftskonto ohne Grundgebühr.
  • PostFinance streut. Dieselbe Dienstleistung wird von den einen als völlig reibungslos, von den anderen als technisch spartanisch beschrieben. Der Business-Schalterservice ist abgebaut; wer ein Gegenüber aus Fleisch und Blut will, ist falsch.
  • Grossbanken bieten das breiteste Produktregal (Fremdwährungen, Kredit, internationale Zahlungen), stehen aber in den Berichten wiederholt für zähe Onboardings und Rückstände, bis hin zur Gesellschaft, die Wochen auf die Freigabe ihres eigenen Kapitals wartete. Grundgebühr bei UBS um 140 Franken im Jahr.
  • Fintechs: Revolut Business führt seit Ende 2024 Schweizer IBAN; Wise hat keine, was im Schweizer Inlandsverkehr Reibung erzeugt; Relio ist auf Schweizer Firmenkunden spezialisiert und volldigital, verwahrt Gelder aber ausserhalb der klassischen Einlagensicherung bei der Nationalbank. Für die Zweitbeziehung und den Zahlungsverkehr taugen sie; als einzige Bankbeziehung einer Vermögensgesellschaft sind sie die mutige Wahl.

Die belastbarste Faustregel aus den Berichten: für eine kleine operative Gesellschaft eine Kantonalbank oder Raiffeisen als Hausbank, dazu bei Bedarf ein Fintech für günstige Fremdwährungszahlungen.

Was es kostet

Die Gebührenrealität 2026 für kleine Gesellschaften, je Institut zu prüfen: Grundgebühr zwischen 0 und rund 15 Franken im Monat, dazu Buchungsposten im Rappenbereich bis Frankenbereich, Fremdwährungszuschläge und teils Porti für Papierauszüge. Das klingt nach wenig und summiert sich trotzdem: wer 300 Buchungen im Jahr hat, zahlt je nach Institut zwischen null und mehreren hundert Franken, und der Unterschied ist reine Bankwahl. Teuer wird es nicht bei der Grundgebühr, sondern bei Fremdwährungen: die Wechselkursmargen der Hausbanken sind der Posten, den Fintechs unterbieten.

Die Konto-Architektur, die sich bewährt

  1. Geschäftskonto bei der Hausbank, auf das nach dem Eintrag das Stammkapital fliesst.
  2. Striktes Trennen von Firmen- und Privatflüssen vom ersten Tag. Jede private Entnahme über das Firmenkonto ist ein Buchungsproblem und im schlechtesten Fall eine verdeckte Gewinnausschüttung; die steuerliche Seite steht unter Steuern und Dividenden.
  3. Zweite Beziehung erst, wenn ein konkreter Bedarf da ist (Fremdwährungen, Kartenlimiten, Redundanz), nicht auf Vorrat. Jede weitere Bank ist ein weiteres jährliches KYC-Update.

Das private Konto des Zuzügers ist ein eigenes Thema mit eigener Reihenfolge und steht unter Bankkonto in der Schweiz.

Diese Seite ist allgemeine Information. Konditionen und Annahmepraxis der Institute ändern sich laufend; massgeblich sind die aktuellen Angaben der gewählten Bank.