Kaum ein Wort transportiert so viel Schweiz-Klischee wie „Privatbank": Mahagoni, Diskretion, und die Vorstellung, unter zwanzig Millionen brauche man gar nicht zu klingeln. Der Mythos ist Marketing, in beide Richtungen. Die realen Schwellen liegen tiefer, die realen Kosten höher, als die Kulisse vermuten lässt.
Die Schwellen, ohne Folklore
Eine harte, veröffentlichte Mindestgrenze haben die wenigsten Häuser. Die grossen Namen formulieren weich („kein fixes Minimum", „Potenzial zählt"), und die Praxis sieht so aus: Bei den grossen Häusern beginnt die klassische Vermögensverwaltung realistisch ab einer halben bis einer Million Franken; die traditionsreichen kleineren Häuser nennen dieselbe Spanne inzwischen offen als idealen Einstieg. Reine Beratungsmandate gibt es teils früher, und einzelne Häuser bedienen den Einstieg mit App-Angeboten ab fünfstelligen Beträgen, was mit dem klassischen Private Banking allerdings nur den Namen teilt. Bei zwei bis fünf Millionen stehen praktisch alle Türen offen. Die Zwanzig-Millionen-Erzählung stammt aus einer anderen Zeit und wird von den Häusern selbst dementiert.
In der Schweiz arbeiten rund hundert Institute mit Privatbank-Profil, von globalen Marken bis zu Partnerschaften, in denen die Inhaber persönlich haften. Die Auswahl ist gross genug, dass Du sie führen kannst, nicht die Bank.
Die drei Mandatsarten
Alles Private Banking läuft in einer von drei Formen, und die Wahl entscheidet mehr als die Bankmarke:
- Execution only. Die Bank verwahrt und führt aus, was Du anordnest. Keine Beratung, dafür die tiefsten Gebühren. Das ist funktional dasselbe wie ein Broker-Depot in teurem Ambiente, und genau so sollte man es preislich vergleichen: Broker Schweiz.
- Beratungsmandat. Die Bank schlägt vor, Du entscheidest. Mittlere Gebühren, und die ehrliche Frage lautet: Liest Du die Vorschläge kritisch genug, dass die Beratung ihr Geld wert ist?
- Vermögensverwaltungsmandat. Die Bank entscheidet in Deinem Auftrag nach vereinbarter Strategie. Die teuerste Form, und die einzige, die Dich wirklich von der Arbeit entlastet.
Was es kostet, in Zahlen
Die aussagekräftigste Markterhebung der letzten Jahre beziffert die Verwaltung eines Mandats von einer Million Franken in Aktienstrategie auf im Schnitt 1,35 Prozent im Jahr, bei defensiven Strategien knapp darunter. Entscheidender als der Schnitt ist die Spanne: zwischen dem günstigsten und dem teuersten Haus liegt für dieselbe Leistung der Faktor drei, von rund 6 500 bis fast 20 000 Franken jährlich. Und die Pauschale ist selten das Ende der Rechnung: Fremdwährungswechsel, hauseigene Fonds und Börsengebühren kommen oben drauf.
Zum Vergleich, der wehtut: Ein global diversifiziertes ETF-Portfolio kostet unter 0,3 Prozent im Jahr. Bei einer Million Franken sind das über zehn Jahre gerechnet sechsstellige Unterschiede, vor Zinseszins. Die Erfahrungsberichte aus der Schweizer Anlegerszene erzählen dazu konsistent dieselbe Geschichte: dokumentierte Depots, die über Jahre deutlich hinter dem Index blieben, während die Gebühren pünktlich flossen.
Wann die Privatbank trotzdem die richtige Antwort ist
Die Rechnung oben ist real, und trotzdem wäre „nimm einfach ETFs" als Pauschalantwort so falsch wie der Mythos. Die Privatbank löst Probleme, die ein Depot nicht löst:
- Komplexität. Mehrere Länder, Gesellschaften, Familienvermögen, Nachfolge: hier ist der Preis nicht die Verwaltung, sondern die Koordination, und die kann ihr Geld wert sein.
- Lombardkredit. Beleihung des Depots als flexible Liquidität, etwa um beim Immobilienkauf schnell zu sein.
- Disziplin und Delegation. Wer weiss, dass er im Crash verkauft und im Hoch kauft, fährt mit einem Mandat besser als mit sich selbst. Das ist keine Schwäche, sondern Selbstkenntnis.
- Der Berater als Institution. Ein Haus, das die Familie über Jahrzehnte kennt, ist beim Erbfall, bei Vollmachten und in Krisen ein anderer Partner als eine Hotline; was im Todesfall auf Konten zukommt, steht unter Vollmachten und Todesfall.
Woran Du ein gutes Haus erkennst
- Es rechnet Dir die Gesamtkostenquote vor, inklusive Produktkosten und Wechselmargen, unaufgefordert und schriftlich.
- Es akzeptiert Fremdprodukte. Ein Mandat, das überwiegend hauseigene Fonds kauft, verwaltet nicht Dein Vermögen, sondern seine Marge.
- Es benchmarkt sich selbst gegen einen passenden Index und zeigt Dir die Abweichung, auch wenn sie negativ ist.
- Es drängt nicht zur grössten Mandatsform. Wer Dir bei einer Million als Erstes die volle Verwaltung verkauft, statt nach Deinem Fall zu fragen, hat seine Frage schon beantwortet.
Ob und wie ein Mandat in Deine Schweizer Struktur passt, neben Depot, Steuerplanung und Vorsorge, gehört ins Beratungsgespräch.
Diese Seite ist allgemeine Information und keine Anlageberatung. Konditionen sind datierte Momentaufnahmen; massgeblich sind die aktuellen Angaben der Häuser.