Wer aus der deutschen Neobroker-Welt kommt, wo der Trade einen Euro kostet und das Depot nichts, erlebt beim Schweizer Preisblatt einen Kulturschock. Schweizer Handel ist teurer, aus Gründen, die man kennen sollte, und er ist es auf jeder Etage unterschiedlich stark. Die Landschaft in drei Kategorien, mit den Zahlen dazu.

Die Schweizer Online-Broker

Swissquote ist die Referenz: die grösste Schweizer Online-Bank mit Vollbanklizenz, breitem Marktzugang und Kryptobörse im selben Haus. Die Kostenstruktur, Stand 2026: Depotgebühren quartalsweise gestaffelt von 20 bis maximal 50 Franken (plus Zuschlag für Bestände über einer Million), Courtagen je nach Börse und Volumen von wenigen Franken für kleine Schweizer Orders bis zu spürbaren Beträgen für Auslandsmärkte. Seit 2026 wechselt Swissquote Währungen im Wertschriftengeschäft zum Interbankenkurs ohne Zuschlag, was einen traditionellen Kostenpunkt entschärft. Daneben positionieren sich Saxo (ohne Depotgebühren, aggressive Kommissionen) und Cornèrtrader, der seit 2026 ebenfalls eine Depotgebühr eingeführt hat: der Markt bewegt sich, Preisblätter altern schnell.

Für alle Schweizer Anbieter gilt zusätzlich, was Deutschland nicht kennt: Auf jedem Kauf und Verkauf liegt die eidgenössische Umsatzabgabe, 0,075 Prozent bei Schweizer, 0,15 Prozent bei ausländischen Titeln, vom Broker automatisch abgezogen. Sie ist klein pro Trade und erheblich über ein Anlegerleben; die eigene Seite rechnet es vor.

Das Bankdepot: die Prozentfalle

Die zweite Kategorie ist das Depot bei der Hausbank, und hier steht die teuerste Zahl dieser Seite: Bankdepots kosten typischerweise Prozentsätze pro Jahr auf den Bestand, bei Grossbanken um 0,35 Prozent und mehr, dazu Courtagen, die ein Vielfaches der Online-Broker betragen. Bei einer Million Franken Depotwert sind 0,35 Prozent 3 500 Franken jährlich, fürs Verwahren. Der Online-Broker verlangt dafür 200. Über zwanzig Jahre und mit Zinseszins ist diese Differenz ein sechsstelliger Betrag, und sie kauft nichts als das Logo auf dem Depotauszug.

Das Bankdepot hat legitime Rollen: als verpfändete Sicherheit in der Hypothekenbeziehung, im Vermögensverwaltungsmandat, oder wenn die Beratung tatsächlich genutzt wird. Als blosser Lagerplatz für selbstverwaltete ETFs ist es die teuerste Möglichkeit im Land.

Der Feldstandard: die Zwei-Depot-Architektur

Die Schweizer Anlegerszene hat über Jahre einen pragmatischen Konsens entwickelt, der in unzähligen Erfahrungsberichten wiederkehrt: das Gros des Portfolios bei einem günstigen ausländischen Broker, dazu ein Schweizer Depot als Zweitstandbein. Der ausländische Broker (typischerweise Interactive Brokers) spart Umsatzabgabe und handelt zu Bruchteilen der Schweizer Courtagen; das Schweizer Depot hält, was heimatnah sein soll, und diversifiziert das Anbieterrisiko über zwei Rechtsräume. Die Gegenposition, alles in der Schweiz zu halten, kauft Einfachheit (ein Steuerauszug, ein Ansprechpartner, Schweizer Einlagensicherung) gegen laufende Mehrkosten. Beides ist vertretbar; unvertretbar ist nur, die Wahl nie gerechnet zu haben. Die Gegenseite dieser Architektur steht unter Der ausländische Broker.

Worauf es bei der Wahl ankommt

  1. Gesamtkosten rechnen, nicht Courtagen vergleichen. Depotgebühr plus Courtagen plus Umsatzabgabe plus Währungsmarge, auf Dein Volumen und Deine Handelsfrequenz. Ein Vielhandler und ein Buy-and-Hold-Anleger kommen zu verschiedenen Siegern.
  2. Steuerauszug einpreisen. Schweizer Broker liefern den Steuerauszug für die Steuererklärung als Standardprodukt; bei ausländischen Brokern machst Du die Aufstellung selbst oder zahlst dafür. Das ist ein realer Arbeitsposten, kein Detail.
  3. Verwahrsicherheit verstehen: Depotwerte sind Sondervermögen und fallen nicht in eine Konkursmasse, bei jedem seriösen Anbieter. Die Einlagensicherung betrifft nur das Barguthaben daneben.
  4. Die Steuerfreiheit schützen. Die Schweizer Steuerfreiheit privater Kursgewinne hat Verhaltensbedingungen: wer hebelt, sehr kurz hält und mehr umsetzt als sein Vermögen, riskiert die Einstufung als gewerbsmässiger Händler. Die Kriterien stehen unter Kapitalgewinne und Wertschriftenhandel, und sie gelten unabhängig davon, wo das Depot liegt.

Diese Seite ist allgemeine Information und keine Anlageberatung. Alle Preise sind datierte Momentaufnahmen (Stand 2026); massgeblich sind die aktuellen Preisblätter.