Kontoeröffnungen und Überweisungen scheitern fast nie am Betrag. Sie scheitern an der Lücke in der Geschichte: an einem Vermögen, das „schon immer da war", an einem Zufluss, den niemand erklären kann, an Unterlagen, die im geräumten Keller liegen. Die Belegkette ist die eigentliche Arbeit des Bank-Kapitels beim Zuzug, und sie beginnt vor dem Umzug.

Was die Bank prüfen muss

Die Pflicht ist gesetzlich, nicht geschäftspolitisch. Die Bank muss Art und Zweck der Geschäftsbeziehung kennen, und bei erhöhtem Risiko muss sie ausdrücklich die Herkunft der eingebrachten Vermögenswerte und den Ursprung des Vermögens abklären. Was als erhöhtes Risiko gilt, definieren die Aufsichtsregeln, und die Liste liest sich wie das Profil eines Zuzügers mit Vermögen: die Höhe der Zuflüsse, ein Vermögen, das nicht zum bisherigen Bild passt, fehlender persönlicher Kontakt, Zahlungen aus bestimmten Ländern. Solche Beziehungen brauchen bankintern die Zustimmung einer vorgesetzten Stelle, und genau deshalb dauern sie länger.

Das erklärt auch das Muster, das Zuzüger irritiert: dieselbe Überweisung läuft bei der einen Bank kommentarlos durch und löst bei der anderen eine Beleganforderung aus. Aus der Praxis der letzten zwei Jahre sind beide Enden dokumentiert: Institute, die bei fünfstelligen Eingängen von einem Broker wiederholt Kontoauszüge als Herkunftsnachweis verlangen, und sechsstellige Überweisungen, die ohne eine einzige Rückfrage ankommen. Die Prüftiefe ist bankabhängig und nicht verhandelbar; planbar ist nur Deine Seite: die Akte.

Die Kette, nach Vermögensquelle

Die Bank will eine plausible, belegte Kette vom Ursprung des Vermögens bis zum Konto. Was das je nach Quelle heisst:

Quelle Was die Kette trägt
Erwerbsarbeit über Jahrzehnte Steuerbescheide mehrerer Jahre, Lohnabrechnungen, Depot- und Kontoauszüge, die das Wachstum zeigen
Unternehmensverkauf Kaufvertrag plus Zahlungsbeleg, gegebenenfalls Notariatsakte
Erbschaft Erbschein und Nachlassabrechnung. Erbschaften lösen erfahrungsgemäss die meisten Zusatzfragen aus, gerade weil sie die häufigste Ausrede sind
Immobilienverkauf Kaufvertrag, Grundbuchauszug, Abrechnung des Notars
Wertschriftenvermögen Depotauszüge über die Jahre, Übertragsbelege
Kryptowerte Die lückenlose Transaktionshistorie plus die Belege der ursprünglichen Fiat-Einzahlungen. Ohne diese Historie ist der Bestand für viele Banken nicht bankfähig; die steuerliche Seite behandelt Kapitalgewinne und Wertschriftenhandel

Drei Fehler, die in der Praxis regelmässig auftreten:

  • Die Kette hat ein Loch in der Mitte. Zwischen dem Hausverkauf 2015 und dem Depotstand heute liegen neun Jahre, für die es nichts gibt. Belege besorgt man, solange man Zugriff auf Onlinebanking, Steuerberater und Aktenordner hat, also vor dem Umzug.
  • Der erste Betrag kommt in bar oder über ein Drittkonto. Beides erzeugt genau die Rückfragen, die man vermeiden wollte. Die erste Überweisung kommt von einem Konto, das auf Deinen Namen lautet.
  • Die Geschichte wird mündlich erzählt statt schriftlich belegt. Was nicht auf Papier existiert, existiert für die Compliance nicht.

Wie viel Prüfung normal ist

Zur Einordnung, damit weder Panik noch Sorglosigkeit entsteht: Identifikation und Formular A durchläuft jeder. Die vertiefte Herkunftsprüfung trifft planmässig die Fälle mit erhöhtem Risiko, und ein vermögender Neukunde aus dem Ausland ohne Schweizer Historie ist ein solcher Fall, ganz gleich, wie sauber alles ist. Rechne bei substanziellen Vermögen mit Tagen bis Wochen zwischen Antrag und voll nutzbarem Konto und plane Liquidität für die Übergangszeit ein, statt auf den letzten Drücker zu transferieren.

Wer politisch exponiert ist oder war, im Sinn der Geldwäscherei-Regeln, sollte das von sich aus ansprechen: ausländische politisch exponierte Personen gelten automatisch als Beziehung mit erhöhtem Risiko, und der Versuch, das im Formular zu übergehen, ist der sicherste Weg zur Absage.

Die Akte, konkret

So sieht das Dossier aus, das Prüfschleifen verkürzt:

  1. Eine Seite Vermögensübersicht: was, wo, seit wann, woher. Keine Prosa, eine Tabelle.
  2. Je Vermögensblock die zwei, drei tragenden Belege aus der Tabelle oben, als PDF, benannt nach Inhalt statt „Scan_2024_final".
  3. Die Steuerbescheide der letzten drei Jahre. Sie sind der stärkste Einzelbeleg, weil sie Einkommen und Vermögen amtlich verbinden.
  4. Für den geplanten Erstzufluss: von welchem Konto, in welcher Höhe, zu welchem Zweck.

Mit dieser Akte ist auch die Frage „Welche Bank nimmt mich?" entschärft: vollständige Unterlagen, saubere Herkunft, nachvollziehbarer Zweck und eine Meldebestätigung, wer die vier hat, findet ein Konto. Wie die Überweisung selbst meldetechnisch läuft, steht unter Vermögen transferieren; was bei komplexen Strukturen über mehrere Länder gilt, gehört ins Beratungsgespräch, bevor der Banktermin steht.

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