Die jüngsten Zahlen des Staatssekretariats für Migration reichen bis Ende August. Veröffentlicht hat es sie im September, die Tabellen der Ausländerstatistik am 9. September, die Übersicht Statistik Zuwanderung August 2026 am 17. September. Die Schlagzeile, die sich daraus ergibt, passt nicht zu der Debatte, die die Schweiz seit Monaten führt.

Vom 1. Januar bis 31. August 2026 sind 99.426 Menschen in die ständige ausländische Wohnbevölkerung der Schweiz eingewandert, 2,7 Prozent weniger als im gleichen Zeitraum 2025. Damals waren es 102.135. Aus Deutschland dagegen kamen 16.439 Menschen, 3,8 Prozent mehr als im Vorjahr, und damit mehr als aus jedem anderen Land.

Wenn Du selbst mit dem Gedanken spielst, in die Schweiz zu ziehen, sind das keine abstrakten Zahlen. Sie sagen Dir, mit wem Du um Wohnungen konkurrierst, in welchen Kantonen Deine Landsleute ankommen und auf welchem Weg sie es tun. Und der Weg ist die eigentliche Überraschung.

Die Zahlen im Überblick

Zuerst das Gesamtbild, jeweils für die ersten acht Monate des Jahres, aus der SEM-Tabelle 3-30 und ihrem Gegenstück für 2025:

Einwanderung, 1.1. bis 31.8. 2025 2026 Veränderung
Insgesamt 102.135 99.426 minus 2,7 %
aus EU- und EFTA-Staaten 75.219 74.700 minus 0,7 %
aus Drittstaaten 26.916 24.726 minus 8,1 %
aus Deutschland 15.844 16.439 plus 3,8 %
aus Österreich 1.682 1.639 minus 2,6 %

Hinter Deutschland folgen Frankreich mit 12.224 und Italien mit 10.706 Personen, dann Spanien mit 7.858 und Portugal mit 6.535. Jeder sechste Mensch, der 2026 in die Schweiz eingewandert ist, hat einen deutschen Pass.

Der Rückgang insgesamt kommt vor allem aus den Drittstaaten. Bei den Bürgern der EU und der EFTA ist die Zahl fast stabil geblieben, und innerhalb dieser Gruppe haben die Deutschen zugelegt, ebenso Spanier und Rumänen, während aus Frankreich, Italien, Portugal und Polen weniger Menschen kamen.

Ein Hinweis zum Lesen der Zahlen, damit Du sie nicht überschätzt: Das SEM zählt als Einwanderung nicht nur Menschen, die neu über die Grenze kommen. In der Gesamtzahl von 99.426 stecken laut Tabelle 3-10 auch 15.184 Statuswechsel, meist Menschen, die schon mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung im Land waren und nun in die ständige Wohnbevölkerung wechseln, dazu 4.731 Übertritte aus dem Asylbereich. Die effektive Einwanderung über die Grenze lag bei 79.511. Der Vergleich mit dem Vorjahr bleibt trotzdem sauber, weil beide Jahre nach denselben Regeln gezählt werden.

Wer da kommt: nicht der Arbeitsvertrag macht das Plus

Jetzt der Teil, der mehr verrät als die Summe. Das SEM erfasst für jede Einwanderung den Grund. Für die Deutschen sieht das so aus:

Deutsche, Einwanderungsgrund 2025 2026 Veränderung
Erwerbstätigkeit (ohne Kontingent) 11.563 11.669 plus 106
Familiennachzug 3.047 3.370 plus 323
Aufenthalt ohne Erwerbstätigkeit 578 674 plus 96
Aus- und Weiterbildung 469 532 plus 63
Übrige, inkl. Kontingent 187 194 plus 7
Summe 15.844 16.439 plus 595

Sieben von zehn Deutschen kommen weiterhin, um in der Schweiz zu arbeiten, das ist der Normalfall und bleibt es. Aber von den 595 zusätzlichen Einwanderern kamen nur 106 wegen einer Erwerbstätigkeit. Mehr als die Hälfte des Zuwachses geht auf den Familiennachzug zurück, ein Plus von 10,6 Prozent. Und die kleinste Gruppe wächst am schnellsten: Die Zahl der Deutschen, die ohne Erwerbstätigkeit in die Schweiz ziehen, stieg um 16,6 Prozent, von 578 auf 674.

Das sind die Menschen, die von ihrem Vermögen, ihrer Rente oder Einkünften aus dem Ausland leben. Rechnet man über zwölf Monate, also vom 1. September 2025 bis 31. August 2026, waren es laut SEM-Jahrestabelle 1.006 Deutsche, bei insgesamt 26.426 deutschen Einwanderern in diesem Zeitraum. Rund eintausend Menschen im Jahr also, die in die Schweiz ziehen, ohne dort eine Stelle anzutreten.

Man darf aus einem Jahresvergleich keine Bewegung konstruieren, die es nicht gibt. Aber die Richtung ist eindeutig: Das Wachstum kommt nicht vom Schweizer Arbeitsmarkt, sondern von Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt verlegen, mit Partner, mit Kindern oder mit ihrem Vermögen.

Die zwei Türen, durch die fast alle gehen

Für Dich als Deutschen oder Österreicher regelt das Freizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der EU den Zuzug, nicht das Schweizer Ausländergesetz. Die beiden großen Gruppen aus der Statistik entsprechen zwei Artikeln in dessen Anhang I.

Die Tür mit Arbeitsvertrag (Artikel 6): Wer bei einem Arbeitgeber in der Schweiz eine Stelle mit einer Dauer von mindestens einem Jahr antritt, erhält eine Aufenthaltsbewilligung, die mindestens fünf Jahre gilt und automatisch verlängert wird. Bei einem Vertrag von mehr als drei Monaten und weniger als einem Jahr gilt die Bewilligung nur so lange wie der Vertrag. Bis drei Monate braucht es gar keine. Verlangen darf die Behörde nach dem Abkommen nur den Ausweis und die Bestätigung des Arbeitgebers.

Daraus folgt ein konkreter Rat: Wenn Du über einen Arbeitsvertrag verhandelst, achte auf die Laufzeit. Ein befristeter Vertrag über elf Monate bringt Dir eine Bewilligung über elf Monate, ein unbefristeter oder einer über zwölf Monate die fünfjährige B-Bewilligung. Die Statistik zeigt, wie das in der Praxis aussieht: Von den 16.439 Deutschen dieses Jahres erhielten 15.718 eine B-Bewilligung. Weitere 8.799 kamen in die nicht ständige Wohnbevölkerung, also vor allem mit Kurzaufenthaltsbewilligungen unter einem Jahr, und laufen in der Hauptzahl gar nicht mit.

Die Tür ohne Arbeitsvertrag (Artikel 24): Wer in der Schweiz nicht arbeitet, erhält ebenfalls eine Aufenthaltsbewilligung von mindestens fünf Jahren, wenn er zwei Dinge nachweist: ausreichende finanzielle Mittel, sodass er keine Sozialhilfe braucht, und einen Krankenversicherungsschutz, der sämtliche Risiken abdeckt. Ausreichend heißt nach dem Abkommen: mehr als der Betrag, unter dem ein Schweizer in derselben Lage Anspruch auf Fürsorge hätte. Das Abkommen nennt auf diesem Weg weder ein Kontingent noch ein Mindestalter.

Das klingt einfach, und rechtlich ist es das auch. Der Aufwand liegt im Nachweis. Welche Beträge die Kantone in der Praxis sehen wollen, wie die Krankenversicherung nachzuweisen ist und wo Ruheständler strenger gemessen werden als andere Privatiers: Aufenthalt ohne Erwerbstätigkeit.

Wohin die Deutschen ziehen

Die Kantonstabelle des SEM zeigt, wo die 16.439 Deutschen dieses Jahres angekommen sind. Zürich bleibt mit 4.056 Personen mit Abstand der größte Zielkanton, fast jeder vierte deutsche Einwanderer ist dorthin gezogen. Danach folgen Aargau mit 1.731, Bern mit 1.302, St. Gallen mit 1.274 und der Thurgau mit 1.254 Personen.

Spannender als die Rangliste ist die Verschiebung gegenüber dem Vorjahr:

Kanton Deutsche 2025 Deutsche 2026 Leerwohnungsziffer 2026
Zürich 4.151 4.056 0,52 %
Aargau 1.632 1.731 1,05 %
Bern 1.354 1.302 1,04 %
St. Gallen 1.237 1.274 1,16 %
Thurgau 1.102 1.254 1,10 %
Basel-Stadt 1.262 1.115 0,78 %
Luzern 926 999 0,70 %

Die Einwanderungszahlen stammen jeweils aus den ersten acht Monaten, die Leerwohnungsziffer aus der Leerwohnungszählung des BFS vom 1. Juni 2026.

Zürich, Bern und Basel-Stadt verlieren deutsche Zuzüger, der Thurgau gewinnt 13,8 Prozent, der Aargau und Luzern legen ebenfalls zu. Eine Ursache nennt die Statistik nicht. Auffällig ist aber, dass Thurgau, Aargau und St. Gallen zu den Kantonen gehören, in denen die Leerwohnungsziffer noch über einem Prozent liegt, während sie im Kanton Zürich bei 0,52 Prozent steht und in Basel-Stadt bei 0,78 Prozent. Wie eng es genau wo ist: Leerwohnungsziffer 2026 nach Kanton.

Auch die Privatiers verteilen sich eigen. Von den 674 Deutschen, die ohne Erwerbstätigkeit kamen, zogen 132 nach Zürich, 76 in den Thurgau und 59 nach St. Gallen, danach folgen Luzern mit 54 und Bern mit 53. Zug, der Kanton, an den bei vermögenden Zuziehenden alle zuerst denken, verzeichnete in diesem Zeitraum insgesamt 293 deutsche Einwanderer, bei einer Leerwohnungsziffer von 0,20 Prozent, der tiefsten der Schweiz. Wer den Wohnort nach der Steuerlast aussucht, sollte die Steuerrechnung deshalb immer neben die Wohnungsrechnung legen. Wie weit die Kantone steuerlich wirklich auseinanderliegen, zeigt der Kantonsvergleich.

Wer wieder geht

Einwanderung ist nur die eine Hälfte der Rechnung. Aus der SEM-Tabelle zur Auswanderung ergibt sich: 7.392 Deutsche haben die Schweiz in den ersten acht Monaten 2026 wieder verlassen, etwas weniger als im Vorjahr mit 7.517. Unter dem Strich wuchs die deutsche Wohnbevölkerung durch Wanderung damit um rund 9.000 Menschen, nach gut 8.300 im Vorjahreszeitraum.

Am 31. August lebten laut Bestandstabelle des SEM 343.089 Deutsche in der ständigen Wohnbevölkerung der Schweiz. Nur die Italiener sind mit 352.131 noch zahlreicher. Dazu kommen 48.879 Österreicher.

Für Österreicher fällt die Bilanz bescheidener aus: 1.639 kamen, 1.109 gingen. Unter dem Strich bleibt ein Plus von 530 Menschen, im Vorjahreszeitraum waren es mit 1.682 Zuzügen und 1.190 Wegzügen 492. Die Tür steht Dir aus Wien oder Innsbruck rechtlich genauso offen wie aus München, denn für Österreicher gilt dasselbe Freizügigkeitsabkommen mit denselben zwei Artikeln. Sie wird nur deutlich seltener benutzt: Auf einen Österreicher kommen in diesem Jahr zehn Deutsche.

Der Monat August für sich

Wer die Entwicklung am aktuellen Rand sehen will, schaut auf den einzelnen Monat. Im August 2026 betrug der Wanderungssaldo der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung 4.279 Personen, nach 4.077 im August 2025. Die Einwanderung lag 2,5 Prozent über dem Vorjahresmonat, die Auswanderung 0,2 Prozent. Deutlicher war der Anstieg bei der nicht ständigen Wohnbevölkerung, also vor allem bei Kurzaufenthaltern: Dort nahm die Einwanderung im Vergleich zum August 2025 um 19,9 Prozent zu.

Ein einzelner Monat ist keine Trendwende. Er zeigt aber, dass der Rückgang in der Summe der acht Monate kein Einbruch ist, sondern eine leichte Abkühlung, die sich im August nicht fortgesetzt hat.

Warum diese Zahlen gerade politisch zählen

Die Statistik erscheint mitten in der Beratung des neuen Vertragspakets mit der EU. Am 29. September hat der Ständerat die Schutzklausel für die Personenfreizügigkeit verschärft, nachzulesen im Amtlichen Bulletin. Der Bundesrat soll mindestens einmal im Jahr prüfen, ob die Zuwanderung schwerwiegende Probleme verursacht, und dabei ausdrücklich auf die Nettozuwanderung aus dem Freizügigkeitsabkommen schauen, also genau auf die Größe, die diese Tabellen messen.

Dazu kommt eine Lenkungsabgabe, die der Bund erheben könnte, sobald die Schutzklausel aktiviert ist. Nach dem Beschluss des Ständerats beträgt sie mindestens 4.000 Franken pro Jahr und Person, auch für Nichterwerbstätige, und mindestens 2.000 Franken für volljährige Familienangehörige. Das ist ein Beschluss des Erstrats, kein geltendes Recht: Der Nationalrat muss noch entscheiden, und nach dem Willen des Ständerats sollen am Ende Volk und Kantone über das Paket abstimmen. Aber er zeigt, dass die Zahlen, die das SEM jeden Monat veröffentlicht, künftig direkt in politische Entscheidungen einfließen sollen.

Was die Zahlen für Deinen Plan heißen

Aus den Zahlen des SEM folgen vier Dinge, in dieser Reihenfolge.

Erstens: Du bist nicht allein, und das hat zwei Seiten. 16.439 Deutsche in acht Monaten heißt, dass die Verfahren eingespielt sind, dass Gemeinden und Migrationsämter Deinen Fall hundertfach gesehen haben. Es heißt aber auch, dass Du um dieselben Wohnungen konkurrierst. Und in der Schweiz kommt die Wohnung vor der Bewilligung, nicht danach: Warum die Wohnung am Anfang steht.

Zweitens: Leg Dich früh auf die Tür fest. Mit Arbeitsvertrag entscheidet die Laufzeit des Vertrags über Deine Bewilligung, ohne Arbeitsvertrag der Nachweis Deiner Mittel und Deiner Krankenversicherung. Wer sich erst beim Termin auf der Gemeinde überlegt, auf welcher Grundlage er kommt, verliert Zeit, im schlechtesten Fall die Wohnung.

Drittens: Wenn Du ohne Stelle kommst, bist Du in guter Gesellschaft, aber nicht in der Mehrheit. Rund tausend Deutsche im Jahr gehen diesen Weg. Der Unterschied zum Arbeitsvertrag steht im Abkommen selbst: Dort darf die Behörde nur Ausweis und Arbeitgeberbestätigung verlangen, ohne Stelle musst Du Deine Mittel und Deine Krankenversicherung selbst belegen. Für Dich bürgt dann kein Arbeitgeber, sondern Deine eigenen Zahlen.

Viertens: Such dort, wo Deine Landsleute gerade hinziehen, nicht nur dort, wo alle hinwollen. Die Verschiebung von Zürich und Basel in den Thurgau und den Aargau ist klein, aber sie läuft in dieselbe Richtung wie der Wohnungsmarkt. Wie der ganze Weg vom Entschluss bis zur Anmeldung aussieht, Schritt für Schritt: Auswandern in die Schweiz.

Die Schweiz diskutiert seit Monaten, ob zu viele kommen. Die Zahlen bis August sagen: Es kommen etwas weniger. Unter denen, die kommen, sind mehr Deutsche als im Vorjahr, und der Zuwachs kommt mit Familie oder mit eigenem Vermögen statt mit einem neuen Arbeitsvertrag.