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Null Zinsen in der Schweiz, Zinserhöhung in der EU: Was das mit Deinem Geld macht

2,25 Prozent in Frankfurt, null Prozent in Zürich. Wer nur die zwei Zahlen kennt, zieht den falschen Schluss. Denn ein Zins ist kein Geschenk. Er ist ein Preis, und wer ihn zahlen muss, hat einen Grund.

2,25 Prozent zahlt die EZB den Banken auf ihre Einlagen. Das ist der Satz, an dem Dein Tagesgeld hängt.

Null Prozent ist der Satz der Schweizerischen Nationalbank.

Wenn Du nur diese zwei Zahlen kennst, ist der Fall klar: Dein Geld gehört nach Frankfurt, nicht nach Zürich.

Genau deshalb lohnt es sich, eine Minute länger hinzuschauen.

Dazu im Video

Wir werden bald wieder Negativzinsen sehen

Zins ist Schmerzensgeld

Eine Zentralbank erhöht die Zinsen nicht, weil sie großzügig ist.

Sie erhöht sie, weil sie muss.

Am 11. Juni 2026 hat die EZB alle drei Leitsätze um einen Viertelpunkt angehoben. Der Einlagesatz steht damit, wirksam ab dem 17. Juni, bei 2,25 Prozent. Der Grund steht in derselben Mitteilung: Die EZB erwartet für den Euroraum in diesem Jahr 3,0 Prozent Inflation.

Eine Woche später, am 18. Juni, hat die SNB ihren Leitzins bei null belassen. Ihre Inflationsprognose: 0,6 Prozent in diesem Jahr. 0,6 Prozent im nächsten. 0,7 Prozent im übernächsten.

Der Zins ist keine Belohnung. Er ist Schmerzensgeld für die Entwertung, die Du erträgst.

Rechne es durch.

2,25 Prozent Zins minus 3,0 Prozent Inflation: Dein Euro-Guthaben verliert dieses Jahr real rund 0,75 Prozent.

0 Prozent Zins minus 0,6 Prozent Inflation: Dein Franken-Guthaben verliert real rund 0,6 Prozent.

Das höhere Schmerzensgeld gleicht den größeren Schmerz dieses Jahr nicht aus. Ab 2027 kann sich das Bild drehen, wenn die EZB-Projektion von 2,3 Prozent eintrifft und die Sätze bleiben; auch das gehört auf den Tisch.

Die Währung, die alle wollen

Vielleicht denkst Du trotzdem: Null Prozent fühlt sich falsch an.

Verständlich. In Deutschland waren Nullzinsen jahrelang die Begleitmusik zu einer Geldpolitik, die Sparer stumm enteignet hat. Diese Erinnerung sitzt tief, und sie ist berechtigt.

Aber dieselbe Zahl erzählt in Zürich eine andere Geschichte.

Die SNB hat am 18. Juni nicht nur den Zins bei null gelassen. Sie hat im selben Atemzug erklärt, sie sei verstärkt bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren. Wogegen? Gegen eine zu schnelle Aufwertung des Frankens.

Lies das ruhig zweimal.

Das Problem der Schweiz ist nicht, dass ihr Geld niemand will.

Das Problem der Schweiz ist, dass ihr Geld alle wollen. Immer dann am dringendsten, wenn es irgendwo auf der Welt brennt.

Eine Währung, die keinen Zins bieten muss, damit man sie hält, ist keine schwache Währung. Sie ist die Währung, bei der das Schmerzensgeld entfallen kann, weil der Schmerz fehlt.

Was das für Dich konkret heißt

Wenn Du mit dem Gedanken spielst, in die Schweiz zu ziehen, sind diese zwei Juni-Entscheide keine Randnotiz für den Wirtschaftsteil. Sie betreffen drei Posten Deiner künftigen Rechnung.

Deine Hypothek. SARON-Hypotheken hängen direkt am Leitzins, und die Inflationsprognose der SNB unterstellt als Annahme einen Leitzins von null über den gesamten Prognosehorizont; ein Versprechen ist das nicht. Finanzieren ist in der Schweiz gerade so günstig, wie es in Deutschland zuletzt vor einem Jahrzehnt war.

Dein Erspartes. Auf dem Franken-Konto verdient es nominal fast nichts, das stimmt. Aber es wird auch deutlich langsamer weginflationiert als der Euro, und die mickrigen Zinserträge bedeuten nebenbei: kaum steuerbarer Vermögensertrag.

Dein Einkommen, solange es noch in Euro fließt. Die SNB hat sich verstärkt bereit erklärt, gegen eine zu schnelle Aufwertung des Frankens zu intervenieren. Verlassen kannst Du Dich darauf nicht, aber es ist eine erklärte Bereitschaft der Notenbank, nachzulesen in ihrer Lagebeurteilung. Wer Euro-Einkommen in ein Franken-Leben überführt, plant den Kurs als Risiko ein, nicht als Hoffnung.

Der eigentliche Punkt

Die EZB hat im Juli die Sätze unverändert gelassen und sich ausdrücklich auf nichts festgelegt. Vielleicht erhöht sie weiter, vielleicht nicht. Das entscheiden Daten, die noch niemand kennt.

Was Du heute schon weißt: Auf der einen Seite steht eine Notenbank, die 2,25 Prozent zahlen muss, damit ihre Währung eine Inflation von 3 Prozent erträgt.

Auf der anderen Seite steht eine Notenbank, die null zahlt und sich trotzdem dafür rüstet, den Zustrom in ihre Währung zu bremsen.

Frag Dich nicht, wo es mehr Zins gibt. Frag Dich, welches Geld kein Schmerzensgeld braucht.

Bereit für den nächsten Schritt?

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