Fangen wir mit dem unbequemen Teil an.
Am 19. Juni 2026 hat das Schweizer Parlament in der Schlussabstimmung einen Bundesbeschluss verabschiedet: Der Bundesrat soll den Normalsatz der Mehrwertsteuer um 0,4 Prozentpunkte erhöhen, den Sondersatz für Übernachtungen um 0,2 Prozentpunkte.
Mit den heutigen Sätzen der ESTV gerechnet heißt das: 8,1 wird zu 8,5 Prozent. 3,8 wird zu 4,0.
Also doch. Auch das Steuerparadies dreht an der Schraube.
Wer Dir die Schweiz als Land verkauft, in dem Steuern nur sinken, erzählt Dir ein Märchen. Dieses hier ist der Beweis.
Und trotzdem ist diese Erhöhung das beste Argument für die Schweiz, das Dir dieses Jahr begegnen wird.
Schau auf die Zahl
8,5 Prozent.
Das ist der Satz nach der Erhöhung.
In Deutschland zahlst Du 19 Prozent. In Österreich 20 Prozent.
Die Schweiz erhöht ihre Mehrwertsteuer und landet immer noch bei weniger als der Hälfte dessen, was Du heute bei jedem Einkauf abgibst.
Und der reduzierte Satz auf Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs? Bleibt unangetastet bei 2,6 Prozent. Dein Wocheneinkauf merkt von dieser Erhöhung nichts.
Schau auf den Zweck
In Deutschland fließt eine Steuererhöhung in den großen grauen Topf. Was damit geschieht, entscheiden andere, später, woanders.
Dieser Beschluss funktioniert anders. Der neue Verfassungstext legt fest: Der Ertrag aus der Erhöhung wird vollumfänglich dem AHV-Ausgleichsfonds zugewiesen, zur Finanzierung der 13. Altersrente. Steht wörtlich so im Beschlusstext.
Nicht in einer Absichtserklärung. In der Verfassung.
Das Geld hat eine Adresse, und die Adresse bist am Ende Du: Wer in der Schweiz lebt und in die AHV einzahlt, bekommt die 13. Rente, für die diese Erhöhung bezahlt.
Man kann über Rentenpolitik streiten. Aber zwischen einer Steuer, die in einem Loch verschwindet, und einer Steuer, die mit Zweckbindung in der Verfassung steht, liegt ein Unterschied ums Ganze.
Schau, wer entscheidet
Jetzt kommt der Teil, der den eigentlichen Abstand zwischen Deinem heutigen Leben und dem Schweizer Modell ausmacht.
Diese Erhöhung ist nicht beschlossen.
Sie ist eine Vorlage. Weil sie die Verfassung ändert, muss sie zwingend vors Volk: Am 29. November 2026 stimmen Volk und Stände darüber ab. Den Termin hat der Bundesrat am 24. Juni festgelegt.
Halte das neben Deine Erfahrung.
Wann hat Dich in Deutschland jemand gefragt, ob die Mehrwertsteuer steigen soll?
Beim Solidaritätszuschlag? Bei der CO2-Abgabe? Beim letzten Griff in Dein Portemonnaie, wie immer er hieß?
In Deutschland wird Dir in die Tasche gegriffen. In der Schweiz klopft der Staat an und fragt, ob er darf.
Vielleicht sagt das Volk am 29. November Ja. Vielleicht sagt es Nein. Beides wäre eine Entscheidung der Leute, die die Steuer am Ende zahlen. Das ist keine Formalie. Das ist der Kern des ganzen Systems: Jede Steuererhöhung auf Verfassungsstufe braucht die Zustimmung derer, die sie trifft.
Was Du mitnehmen solltest
Erstens: Rechne mit 8,5 Prozent Mehrwertsteuer, wenn die Vorlage durchkommt. Das ist ehrlicher, als mit dem alten Satz zu planen, und es bleibt weniger als die Hälfte Deiner heutigen Belastung.
Zweitens: Das Inkrafttreten bestimmt nach einem Ja der Bundesrat. Zwischen Abstimmung und neuem Satz liegt Zeit.
Drittens, und das ist der Punkt, den Du Dir merken solltest: Ein Land, das seine Bürger fragt, bevor es ihnen Geld abnimmt, erhöht Steuern selten, spät und begründet.
Ein Land, das nicht fragt, erhöht sie oft, schnell und geräuschlos.
Du kennst beide Modelle. Eines davon aus eigener Erfahrung.